Im Rahja-Zelt: Harmonie als Ausgangspunkt jedes Rahja-Spiels

Der Aspekt „Harmonie" von Rahja bietet sich im Larp an, denn diese kann durch eine Unmenge an Wegen erreicht werden, die im Spiel zusammen ergründet werden können.

„Harmonie" bedeutet in diesem Kontext: Die Götterdiener versuchen, die Sorgen der Menschen zu vertreiben, die Strapazen des Lebens zu erleichtern und stattdessen Freude und Ausgeglichenheit zu verbreiten. Innere Harmonie (also ein Ruhen in sich selbst) wird angestrebt. Im Idealfall ist man mit sich selbst, seinen Gefühlen und der Welt um einen herum im Reinen. Das ist ein Weg zur von Rahja gegebenen Zufriedenheit.

Rahja-Geweihte

Rahja mit Dir! Komm doch herein! Sieh dich ruhig um. Hier findest du bestimmt etwas, was dich der göttlichen Harmonie näherbringt.

wäre z.B. eine schöne rahjanische Begrüßung in einem Rahjazelt. Die Worte eröffnen viele Spielmöglichkeiten, betonen den Freiwilligkeitscharakter Rahjas und schaffen eine schöne (und auch harmlose) Szenenstimmung.

Ob der/die Harmoniesuchende sich dann einfach auf der bequemen Liegewiese hinlegen will, einen Tee trinken und Kekse essen will, sich eine üble Sache von der Seele reden will, sich gute Weine zeigen lassen will oder über Pferdezucht sprechen will, sich die Rüstung ausziehen lassen will und sich eine Nackenmassage wünscht, den Rahjapriester rumkriegen will oder einfach nur einen Beziehungsratschlag wünscht... das ist alles offen, wenn man beim zentralen Rahja-Aspekt „Suche nach Harmonie" beginnt.

 

Offensiv vorgetragene Erotik schreckt ab und verhindert Spiel

Niemand hat auf Larp Hemmungen, einen Phex- oder Peraineschrein zu betreten, weil man befürchtet, dort vielleicht mit Spiel konfrontiert zu werden, bei dem man sich unwohl fühlen könnte. Im Zusammenhang mit Rahja ist das bei einigen Spielern aber durchaus so.

Die Erwartungen an eine Rahjaszene sind sehr verschieden und die Kunst ist es, flexibel über verschiedene Aspekte anspielbar zu sein ohne dabei Spieler vom Besuch der Rahjalocation abzuschrecken.

Dabei ist weniger Direktheit, weniger Körperlichkeit und generelles Slowplay (siehe Leitfaden Emotionales Beziehungsspiel) hilfreich.

Erfundenes Beispiel für „zu direkt":

  • Beim Betreten des Rahjabereiches im Stil von „Oh, was für ein stattlicher Mann! Diese mächtigen Kriegerarme..." begrüßt werden. Und dann ginge es direkt weiter in Richtung „Leg doch die Rüstung ab und dann sehen wir schon..."

Das ist sicherlich vielen Besuchern zu direkt und offensiv! Vielleicht ist der Besucher zum ersten Mal in ein Rahjazelt, ist eigentlich ein unsicherer Typ und will vielleicht einfach einen Wein trinken, oder wünscht sich einfach einen Beziehungsratschlag. Das sieht man einem ja nicht an!

Lösungsvorschlag:

Ein langsamer, die Spielwünsche abfragender Szenenbeginn scheint uns sinnvoller. Er beginnt mit einer zum Glaubensspiel passenden Begrüßung wie z.B.

„In Rahjas Namen, seid herzlich willkommen an diesem Ort der Schönen Göttin. Seht euch um, setzt Euch doch!"

Und wenn dann der Anfang gemacht ist, kann man mit einer Frage im Stil von

„Wie kann ich Euch helfen, die Schönheit dieses Tages zu finden?"

oder

„Kann ich etwas tun um dir die Harmonie Rahjas näher zu bringen?"

fortfahren. Das lässt alle möglichen Spielansätze offen, schafft eine auf aventurischem Glaubensspiel basierte Interaktion und überrascht oder überfordert niemanden.

Und von da kann man dann langsam in die erwünschte Richtung des Gegenübers spielen und dann die eigenen Ideen behutsam einfließen lassen. Im Spiel miteinander wird dann auch klar, wie es weitergehen kann und wie man daraus schönes Spiel generieren kann. Tipps und Ideen zum weiterführenden Spiel finden sich im Leitfaden zum „Emotionalen Beziehungsspiel" (Beziehungsspiel)

Durch Betonung des Aspekts Harmonie und einer harmlosen Szenerie wird die Stimmung viel mehr in Richtung Wohlfühl-Hotel geführt und weit weniger in Richtung Bordell-Charakter.

 

Stimmungsvorlage: Wellness-Hotel statt Bordell-Atmosphäre im Rahjazelt

Rahjatempel werden im Pen&Paper nicht selten als „High-class Edelpuff" dargestellt, Rahja-Diener sind dort nicht selten bessere Prostituierte. Von dieser falschen Sichtweise muss man sich im Larp komplett trennen, denn dies sollte nicht der Grundgedanke eines rollenspielerisch wertvollen Miteinanders sein.

Das weitaus passendere Bild, um eine spielfördernde Rahja-Atmosphäre zu charakterisieren, ist das Wellness-Hotel. Dort kann man sich entspannen, hat tollen Service in gehobenem Ambiente, genießt schöne Musik und gute Gesellschaft, kriegt Süßigkeiten und Getränke und kann sich an Körper und Seele verwöhnen lassen - aber dabei ist nichts irgendwie anrüchig, schmierig, billig oder aufdringlich. Und niemand hat Scheu, ein Wellness-Hotel zu betreten.

Rahja-Altar

„Wellness-Hotel Atmosphäre" erzeugt eine Win-Win-Situation, denn:

  • Jeder Spielertypus kann bedenkenlos ins Rahjazelt gehen, ohne befürchten zu müssen überfordert zu werden => Mehr Spiel für mehr Teilnehmer.
  • Die Spieler der Rahjadiener werden in einer solchen Wellness-Atmosphäre sicherlich weniger oft unangenehm direkt angespielt => Weniger unschöne Szenen für die Spielprovider.

 

Praktische Umsetzung und Tipps fürs Rahjaspiel

Wir haben hier explizit auf Ausspieltipps für alle Sorten von rahjanischer Nähe verzichtet, nicht etwa weil wir das sensible und auch oft kontroverse Thema scheuen, sondern weil wir diese Thematik in einem größeren Kontext von zwischenmenschlichem Beziehungsspiel umfassender behandeln.

Wer sich also fragt, wie das Spiel in der rahjanisch-emotionalen Nahdistanz aussehen kann, dem sei der Leitfaden „Emotionales Beziehungsspiel" ans Herz gelegt, in dem es ganz praktisch um Ausspielmethoden für jede Form von sozialer Interaktion geht. (Beziehungsspiel)


Wir empfehlen als weitere Lektüre das Unterkapitel "Beziehungsspiel" im Kapitel "Spielförderung".

Das Kapitel Götterdiener geht im Abschnitt "Gebete und Liturgien" weiter.